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Die Filmförderung reformieren

Die Filmförderung reformieren

Der Kongress „Zukunft Deutscher Film“ mahnt massive Neuerungen an

Von Martin Loew

Was muss sich ändern, damit die Filmkultur in Deutschland gestärkt und das Kino als soziokultureller Begegnungsort neu belebt wird? Wie erreicht man, dass mutige Projekte wieder mehr Chancen auf Realisierung finden? Diesen Kernfragen stellten sich im Rahmen eines Kongresses beim diesjährigen LICHTER Filmfest mehr als 50 Filmschaffende aus dem In- und Ausland. Angeregt hatte zu diesem Kongress Kultregisseur Edgar Reitz, indem er 2016 als Schirmherr des LICHTER Filmfests die Notwendigkeit eines filmpolitischen Neuanfangs postulierte.

In mehreren Panels widmeten sich die Teilnehmer den verschiedenen Aspekten der Filmproduktion sowie Distribution: Im „Forum Europa“ stellten internationale Experten die Fördermodelle ihrer Länder vor, im Panel „Some like it equal – Geschlechtergerechtigkeit in der Filmbranche“ wurden Maßnahmen zur Gleichstellung von Frauen in den Medien diskutiert.

Parallel zu den öffentlichen Veranstaltungen fanden zudem drei geschlossene Arbeitsgruppen statt mit den Themen „Förderung & Finanzen“, „Ausbildung & Nachwuchs“ und „Distribution & Kinokultur". Deren Arbeitsergebnisse wurden schließlich zu Kernthesen zusammengefasst, wonach das System der Filmförderung grundlegend überholt werden müsse und die Kinokultur angesichts der ständigen Verfügbarkeit audiovisueller Inhalte neue Impulse brauche, um als sozialer Ort bestehen zu können.

Konsens herrschte dahingehend, die Förderstrukturen zu vereinfachen, um schnellere und vor allem mutigere Entscheidungen zu ermöglichen. Ins Spiel gebracht wurde die Idee des Intendantenmodells mit Blick auf eine verstärkte kulturelle Filmförderung. Kuratoren sollen demnach für drei bis vier Jahren alleine ihre Entscheidungen treffen - auf der Basis rein künstlerischer Kriterien. Des weiteren wurde die Forderung erhoben nach Entkopplung der Filmförderung von den Fernsehsendern, die ihre Ausstrahlungsrechte künftig vielmehr über eine bundesweite Agentur erwerben sollen.

Ein andere Position machte sich stark dafür, daß sich die jeweiligen Erstförderer eines Projekts zu einer Bewilligung von 30 Prozent des gesamten Budgets verpflichten, um den ausufernden Fördertourismus abzubauen. Und schließlich sprach sich der Kongress auch für eine anonymisierte Einreichung bei der Stoffentwicklung sowie Transparenz bei den Entscheidungsgründen einer Jury aus. Beabsichtigt ist, die Diskussion fortzusetzen. Alle Handlungsaufforderungen sind infolgedessen in einem Papier zusammengefasst und unter www.zukunft-deutscher-film.de ins Netz gestellt.

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