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Ein Investitionsschub für die hessischen Kinos

Ein Investitionsschub für die hessischen Kinos

Zusätzlich 1,5 Millionen Euro stellt Wiesbaden für die Filmförderung bereit

Von Daniel Güthert

Gute Nachrichten aus Wiesbaden für Hessens Filmbranche. Mit dem zu Jahresbeginn verabschiedeten Doppelhaushalt des Landes hat die Politik die Fördermittel, die in den Ausbau der hessischen Film- und Medienwirtschaft fließen sollen, um weitere 1,5 Millionen Euro angehoben. Damit ist eine Initiative der Regierungsfraktionen von CDU und GRÜNEN umgesetzt worden. Unter dem Stichwort "Lebensqualität fördern" hatten die Parteien im Herbst 2017 einen Nachtagsentwurf eingebracht, mit dem Ziel, die Vielfalt an kulturellen Angeboten im Bereich Film und Kino zu stärken.

So hat das Land jetzt für 2018 und 2019 jeweils eine Million Euro bewilligt, mit denen drei Kernforderungen der Parteien erfüllt werden sollen. Festgeschrieben sind demnach 200.000 Euro für den Ausbau der Neuen Medien (beispielsweise im Sektor Virtual Reality). Weitere 300.000 Euro sollen der Festivalszene zugute kommen mit dem Schwerpunkt auf ein geplantes Frauenfestival, das nach Bekunden des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (HMWK) in den Händen der Kinemathek Asta Nielsen liegen soll. Und drittens sind 500.000 Euro pro Jahr als Kinoinvestitionsprogramm eingestellt, um unabhängige Filmtheater im ländlichen Raum und Programmkinos im Speziellen zu Modernisierungsmaßnahmen in Technik und Ausstattung zu ermutigen.

Darüber hinaus sind nochmals 500.000 Euro reserviert, wie es seitens des HMWK heißt, mit denen sich das Land an der jüngst von Bund, Ländern und Filmförderungsanstalt (FFA) ausgerufenen Digitalisierungsoffensive für das Filmerbe beteiligen wird. Ein Betrag, der insoweit nicht an die Film-GmbH gehen wird, sondern zur FFA in Berlin, bei der das Digitalisierungsprojekt als nationale Aufgabe zentral angesiedelt ist.

Daß nun erstmals auch in Hessen ein Investitionsprogramm für Kinos geschaffen worden ist, was es in anderen Bundeländern wie Bayern oder Baden-Württemberg schon länger gibt, ist in der Branche einhellig begrüßt worden. Denn viele Lichtspieltheater in Hessen, namentlich in ländlichen Regionen, wo das Kino häufig eine zentrale Rolle für das kulturelle und soziale Leben spielt, stehen vor gewaltigen Herausforderungen, so Erwin Heberling vom Film- und Kinobüro Hessen.

Momentan liegt die Durchführung des Programms indes noch auf Eis. Noch sind die maßgeblichen Richtlinien nicht beschlossen und veröffentlicht. Zu vermuten ist aber, daß sich Hessen an dem bewährten Modell in Bayern orientieren wird. Danach können Umbau- und Erneurungsmaßnahmen bis zu 30 Prozent der Investitionssume bezuschußt werden, bis maximal 50.000 Euro bei Modernisierungen und 80.000 Euro bei Neuerrichtung eines Lichtspielhauses.

Laut HMWK kann man davon ausgehen, daß bis Ende Mai die Förderegularien stehen und die ersten Bewilligungen noch vor der Sommerpause erteilt werden könnnen. Doch ungeachtet dessen ist es bereits seit März möglich, Anträge einzureichen, wodurch nach geltenden Bestimmungen die Frist gewahrt ist, um ein beantragtes Vorhaben bereits vor dem Bewilligsbescheid starten zu können. Rund ein halbes Dutzend Kinos hat davon in der Zwischenzeit Gebrauch gemacht. Denn natürlich wollen die Antragsteller das Sommerloch, das wegen der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft besonders drastisch ausfallen könnte, für ihre Investitionen nutzen.

Zwei Jahre nach Gründung 2016 ist die Film und Medien GmbH "nach einer anfänglich schwierigen Orientierungsphase", wie Kulturminister Boris Rhein (CDU) es nannte, inzwischen konsoliert, personell als auch finanziell. Infolge der Mittelumschichtungen des Vorjahres (eine Million Euro aus dem WiBank-Fonds plus Umwidmung von 800.000 Euro der Biennale B3 zugunsten der Filmförderung) und als Ergebnis der diesjährigen Mittelaufstockung verfügt die Film-GmbH aktuell über einen Kapitalstock von 5,2 Millionen Euro, die als Haushaltsmittel des Landes eingebracht sind. Hinzu kommen vier Millionen Euro aus dem Filmfinanzierungsfonds der WiBank (Bürgschaftsmittel) sowie die Einlage des Hessischen Rundfunks (750.000 Euro) und eine Beteiligung neuerdings auch des ZDF in Höhe von 250.000 Euro.

Der deutlich verbesserten Finanzausstattung der GmbH stehen allerdings auch drastisch erhöhte Kosten für die Verwaltung gegenüber. Lagen die Overheads der hessischen Filmförderung ursprünglich bei gut 250.000 Euro, haben sie sich, Schätzungen zufolge, mit der GmbH vervierfacht. Eine Entwicklung, die von der Branche allerdings weitehend akzeptiert wird in Anbetracht der spürbar aufgewerteten Filmförderung insgesamt. Aber, so Karl-Eberhard Schäfer, Sprecher der Vereinigung der Hessischen Filmwirtschaft und Mitglied des Aufsichtsrats der GmbH, "eine Notwendigkeit für eine weitere Aufstockung des Verwaltungsetats kann ich, außer den üblichen Preissteigerungen, für die nächste Zeit nicht erkennen."

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