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Ein Museum für das 21. Jahrhundert

Ein Museum für das 21. Jahrhundert

Die Amerikanerin Ellen Harrington ist neue Direktorin des Frankfurter Filmmuseums

Von Alexander Jürgs

Mehr als zwanzigmal war Ellen Harrington vor Ort dabei, wenn die „Oscars“, die wichtigsten Preise der Filmbranche, in Los Angeles vergeben wurden. In diesem Jahr nicht: Da hat die Amerikanerin die Zeremonie von Frankfurt aus verfolgt. Im Filmmuseum wurde die Verleihung live übertragen, es gab Cocktails, Filmrätsel und Führungen durchs Trickfilmstudio. Ellen Harrington sagt, dass sie nichts verpasst hat. „Die Oscar-Nacht im Museum war ein großer Spaß“, erklärt die 1963 geborene Amerikanerin.

Bis vor kurzem war die Academy of Motion Pictures Arts and Sciences, die die „Oscars“ Jahr für Jahr verleiht, noch Harringtons Arbeitgeber. In Los Angeles hat sie als Sammlungsleiterin der Academy gearbeitet. Sie war Teil eines Teams, das die Gründung eines eigenen Museums der Institution vorantrieb. Am Deutschen Filmmuseum und dem Deutschen Filminstitut (DIF) in Frankfurt ist Harrington seit Anfang des Jahres beschäftigt – als neue Direktorin. Sie ist die Nachfolgerin von Claudia Dillmann, die das Museum 20 Jahre leitete. Harrington betont, dass sie „ein Haus mit hoher internationaler Reputation" übernimmt.

„Die Frankfurter wissen gar nicht, was für ein besonderes Museum sie in ihrer Stadt haben“, sagt die neue Direktorin. „Dass in den achtziger Jahren das Frankfurter Museumsufer und als eines der ersten Häuser dort ein Filmmuseum entstand, war revolutionär. Neue Kunstformen haben es im Museumskontext oft schwer, aber Frankfurt war ein Vorreiter. Und hat deshalb heute eines der besten Filmmuseen der Welt.“ Am Besprechungstisch in ihrem Büro im fünften Stock des Hauses zieht Harrington einen Vergleich: „In den gesamten Vereinigten Staaten gibt es bis heute nur ein einziges Filmmuseum, das Museum of the Moving Image im New Yorker Stadtteil Queens, und das wurde erst in den Neunzigern eröffnet.“

Harrington will das Frankfurter Filmmuseum verändern – nicht mit einer Radikalkur, sondern sanft. Sie ist stolz auf die Sammlung, die Bildungsangebote, das Kinoprogramm und die Ausstellungen, doch sie ist auch überzeugt, dass die Besucherzahlen noch steigen könnten. Harrington will ein Programm machen, das möglichst viele Zielgruppen erreicht. Populäre Ausstellungen sollen genauso ihren Platz finden wie Liebhaberthemen. Und es soll auch mehr kleine, nur für kurze Zeit laufende Präsentationen geben – an den unterschiedlichsten Orten im Haus, nicht nur in den klassischen Ausstellungsräumen. Schon bald will Harrington ein erstes Dreijahresprogramm präsentieren.

Einen Fokus will sie auch auf die Weiterentwicklung der digitalen Angebote legen. So sollen Filminstitut und Filmmuseum schon in naher Zukunft eine neue Website erhalten. Auch den Bereich „Digitale Präsentationen“ will Harrington ausbauen: Noch mehr Sammlungsstücke sollen im Netz präsentiert werden, noch mehr Online-Ausstellungen - wie es sie jetzt schon über Volker Schlöndorff und Curd Jürgens gibt - sind geplant. Eine Konkurrenz zum Museumsbesuch soll das Digitalangebot aber nicht werden. „Wir erschaffen ein echtes Museum für das 21. Jahrhundert“, verspricht die Direktorin.

Seit ihrer Berufung im vergangenen Herbst lernt Harrington, die neben ihrer Muttersprache fließend Französisch, Spanisch und Italienisch spricht, nun Deutsch. „Ich komme gut voran, aber das Sprechen hinkt dem Verstehen noch hinterher“, sagt sie. Ihre Familie – Harringtons Mann arbeitet als Psychotherapeut, ihre beiden Kinder sind „im Teenager-Alter“ – wird im Juni nach Frankfurt nachkommen.

Harrington entdeckt aber gerade nicht nur die deutsche Sprache für sich, sondern lernt auch das deutsche Kino von einer neuen Seite kennen. Sie selbst hat in der Vergangenheit bereits Ausstellungen über den expressionistischen deutschen Film konzipiert, hat auch mit Werner Herzog, Tom Tykwer oder Wim Wenders zusammengearbeitet, doch in den deutschen Film jenseits der internationalen Festivals steigt sie erst jetzt tiefer ein. Sie lobt die Kuratoren am Haus, die ihr neue Filmemacher vorstellen und sie auf bemerkenswerte Werke hinweisen. Hat Harrington schon einen deutschen Lieblingsregisseur? Das will sie sich nicht entlocken lassen. Eins verrät sie aber doch: „Maren Ade ist ein Genie.“

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