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Engagiert in der Arthouse-Nische

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Der neue Frankfurter Filmverleih JIP will kleinen Filmen zum Erfolg verhelfen

Von Claus Wecker

In Frankfurt gibt es einen neuen Filmverleih. Vor, sagen wir, 40 Jahren wäre das allenfalls eine kleine Notiz wert gewesen. Doch heute gehört schon eine Menge Mut dazu, sich auf ein solches Unternehmen einzulassen. Die beiden Frankfurter Filmemacherinnen Julia Irene Peters und Jutta Feit sind dieses Wagnis eingegangen und haben im vorigen Jahr die Frankfurter Firma JIP - Film und Verleih gegründet.

Natürlich wissen sie um die Konkurrenz und die hohe Zahl wöchentlicher Neustarts an Filmen, wenn jährlich gut 500 neue Produktionen in die deutschen Kinos drängen und die meisten davon gleich wieder in der Versenkung verschwinden. Doch davon wollen sie sich nicht einschüchtern lassen.

Sie haben ein Konzept entwickelt, das ihre Filme vor dem Verschwinden in der Menge bewahren soll. Denn sie begnügen sich nicht damit, ein paar Prospekte an die abspielenden Kinos zu schicken. Sie gehen vielmehr strategisch vor. Sie nehmen Kontakt mit potentiellen Interessenten auf, setzen auf ein Netzwerk, richten eine Datenbank mit den Ansprechpartnern für den jeweiligen Film ein.

Das haben sie mit ihrem ersten Projekt bereits vorgemacht. „Sing It Loud – Luthers Erben in Tansania“ war nicht nur ihre erste gemeinsame Regie, sondern auch ihr Einstieg in die Verleiharbeit. Der Film kam im Mai letzten Jahres heraus, also gerade passend zum fünfhundertjährigen Jubiläum von Luthers Thesenanschlag.

Das Thema war also geschickt gewählt, zumal der Film kein trockenes theologisches Referat zur Reformation hielt. Er dokumentiert indes ein ebenso fröhliches wie frommes Miteinander von Menschen in dem ostafrikanischen Land, denen ihr Glaube eben auch den Mut gibt, selbst den bescheidensten Lebensverhältnissen zu trotzen. Für das Kinopublikum ist das wie ein Ausflug in eine exotische Ferne, bei dem sich zeigt, dass Luther dort eine enthusiatischere Gefolgschaft hatte als hierzulande.

Dementsprechend war "Sing It Loud" sowohl für kirchliche Gemeinden als auch für die vielen Chorgruppen in Deutschland attraktiv. Denen wurden rechtzeitig Kinotermine bekanntgegeben. Peters und Veit setzen bewußt auf eine intensive Öffentlichkeitsarbeit, die sich Kinobetreiber auch von anderen Verleihern wünschen würden. Deshalb genießt das Duo bei seinen Partnern einen guten Ruf, wenn es um die Zusammenarbeit in Publicitydingen geht. Und in der kinolosen Provinz gibt es die Möglichkeit, sich eine Blu-ray auszuleihen. Der Verleih besitzt alle Verwertungsrechte an seinen Veröffentlichungen.

Weitergehen soll das Geschäft mit Independent-Produktionen in der Arthouse-Nische. Die nächsten Projekte sind bereits in Angriff genommen: „Citizen Animals“, eine Dokumentation von Oliver Kyr, handelt von der misslichen Situation der Tiere in unserer Welt. Eine Familie ist mehr als 12.000 Kilometer durch Europa gereist, um den Tieren eine Stimme für ihre Rechte zu geben. Der Film ist ein Plädoyer für einen radikalen Tierschutz, über dessen formale Qualität sich allerdings streiten lässt. Beim Lichter Filmfest International erlebte das Werk seine Premiere in Anwesenheit des Filmteams. Ende April war der Kinostart.

Ein weiterer Titel im Programm wird „Tokat – Das Leben schlägt zurück“ von Andrea Stevens und Cornelia Schendel sein. Ein Porträt von drei deutsch-türkischen Ex-Mitgliedern einer Frankfurter Gangsterbande in den 1990er Jahren. Die beiden Verleiherinnen versichern, dass der Film sich jeder Glorifizierung krimineller Gangs enthält. Vielmehr werde deutlich, welche, zuweilen auch tragischen Schicksale sich hinter Zeitungsmeldungen verbergen können.

Beide Produktionen bieten Diskussionsstoff und erfüllen damit die Voraussetzungen für eine Aufnahme in den JIP-Verleih. Die ausgewählten Filme sollen zu Gesprächen anregen, was an den ehemaligen Frankfurter Kulturdezenenten Hilmar Hoffmann denken lässt, der ja mit der Idee der Kommunalen Kinos einen Ort verband, an dem über die gezeigten Filme gesprochen und nötigenfalls gestritten werden sollte.

Julia Irene Peters und Jutta Feit geht es heute vor allem um den Zusammenhalt in der Gesellschaft, der ja ernsthaft bedroht ist. Ihre Filme sollen einen Anlass zum Austausch von Meinungen bieten – auch darin äußert sich ihr soziales Engagement.

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