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Kino und Autoscooter

Kino und Autoscooter

Rosa von Praunheim gewinnt Hauptpreis beim 11. LICHTER Filmfests International

Von Tobias Hüser / Philipp Mehler*

Das 11. LICHTER Filmfest Frankfurt International ist mit einem Publikumsrekord zu Ende gegangen. Über 13.000 Besucher machten sich an den fünf Festivaltagen (3. bis 8. April) auf in das Zoo-Gesellschaftshaus und in weitere Kinos in Frankfurt und Offenbach, um sich über 100 internationale und regionale Filme anzusehen und etliche Gesprächsrunden sowie Ausstellungen zu besuchen. In dem neuen Festivalzentrum – den temporären “Zoo-Lichtspielen” - unternahm man eine Expedition in die Filmzukunft. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Festivalleiter Gregor Maria Schubert und Johanna Süß die Programmvielfalt um eine Reihe zur Zukunft des deutschen Films erweitert. In diesem Jahr folgte ein von Edgar Reitz initiierter Kongress, bei dem über 50 Filmschaffende aus Deutschland und weiteren europäischen Ländern zwei Tage lang über neue Impulse für die Film- und Kinokultur in Deutschland nachdachten.

Der Besucheransturm war auch in der Naxoshalle zu spüren, denn hier hatte das Festivalteam eine wahnwitzige Idee umgesetzt. Passend zum Jahresthema “Chaos” brachte man in die denkmalgeschützte Industriehalle jede Menge wildes Durcheinander: Beim LIGHT RIDER – dem ersten Autoscooterkino der Welt – wurde eine 200 Quadratmeter große Fahrbahn durch Augmented Reality-Technik in ein interaktives Kino-Erlebnis verwandelt. Der Projektpartner "Node – Forum for Digital Arts" projizierte Visuals auf die Bahn, die dann von den Autos bewegt werden konnten. 3D-Kameras erfassten den kompletten Autoscooter und ermöglichten so die Vermischung von realer und virtueller Wahrnehmungsebene.

Als bester regionaler Langfilm wurde Rosa von Praunheims neuer Film “Männerfreundschaften” ausgezeichnet, der beim LICHTER Filmfest Weltpremiere feierte. Der Kultregisseur geht in dem Film der Frage nach, wie schwul Goethe war. Das Coming-of-Age-Drama “Blue My Mind” erhielt den International Feature Award zum Thema “Chaos”. Lisa Brühlmanns Regie-Debüt zeigt auf schmerzhafte Weise, wie eine Pubertierende sich mit dem Leben in einem neuen Körper arrangieren muss. Der Publikumspreis ging an “Women of the Venezuelan Chaos”. In dem Dokumentarfilm von Margarita Cadenas erzählen fünf Frauen, wie sich ihre Lebenssituation in Venezuela in den vergangenen Jahren verschlechterte. Über den Preis für den besten regionalen Kurzfilm konnte sich Peter Meister für den Spielfilm “Horizont” freuen. Den achten LICHTER Art Award sicherte sich Jakob Engel für die Videokunst-Arbeit “Waiting for Record”.

Bereits zum zweiten mal präsentierte LICHTER einen Virtual Reality Filmwettbewerb. Aus über 70 Einreichungen wurden fünf 360-Grad-Filme ausgewählt und mithilfe von VR-Headsets in mehreren ausverkauften Vorstellungen gezeigt. Das besondere dabei: die Filme wurden synchron auf allen Headsets abgespielt. Diese Art der Vorführung soll der vermeintlichen Isolation beim Betrachten von VR-Filmen vorbeugen und ein Format schaffen, das an ein klassisches Kinoerlebnis angelehnt ist. Der Gewinnerfilm “I,Philip” des französischen Regisseurs Pierre Zandrowicz konnte die Jury durch das gekonnte Spiel mit den Limitierungen und Möglichkeiten des Mediums überzeugen. Alle fünf Filme bewiesen, dass das Geschichtenerzählen in VR noch immer ein großes Experimentierfeld ist, die Regisseure aber ein immer besseres Gespür dafür entwickeln, was in der virtuellen Realität funktioniert und was nicht. Neben dem Wettbewerb veranstaltete das Festival die Konferenz LICHTER VR Lab über Trends und Herausforderungen der noch jungen VR/AR-Szene. Dabei präsentierten Niklas Welter und Waldemar Filbert von metricminds ihre Erfahrungen im Bereich Echtzeit-gerenderter VR-Experiences. Renee Abe von ZDF Digital stellte die neuen Anforderungen an das Audiodesign von VR-Filmen vor und Vanessa Kincaid lieferte interessante Einblicke in die Arbeitsweise ihres Startups Littlestar, welches auf die Produktion und Distribution von VR Inhalten spezialisiert ist.

* Tobias Hüser ist Leiter der Presse des LICHTER Filmfestes, Philipp Mehler ist Projektleiter der LICHTER VR-Sektion.

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