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Mehr Partizipation beim Lucas-Filmfestival

Mehr Partizipation beim Lucas-Filmfestival

Das Deutsche Filminstitut (DIF) geht neue Wege bei der Vermittlung des Kinder- und Jugendfilms

Von Reinhard Kleber

Im Herbst 2017 feierte "Lucas – Internationales Festival für junge Filmfans", wie das Frankfurter Filmevent jetzt offiziell heißt, seine 40. Ausgabe. Und das Deutsche Filminstitut (DIF) als Träger konnte ein Rekordergebnis vermelden: Rund 8.700 Besucher kamen zu Filmvorführungen, Workshops und Mitmachaktionen. Für Julia Fleißig, 2017 gerade erst ins Amt berufene Leiterin, war es eine gelungene Feuerprobe. Denn Publikum und Fachwelt haben den radikalen Konzeptwechsel des ältesten deutschen Kinder- und Jugendfilmfestivals angenommen.

Konnte das Frankfurter Festival lange Jahre mit Welt- und Europapremieren auch internationale Fachbesucher an den Main locken, so verlor die Filmschau seit der Jahrtausendwende immer mehr an Anziehungskraft. Konkurrenzveranstaltungen wie der "Schlingel" in Chemnitz oder der "Goldene Spatz" in Erfurt/Gera wuchsen dank starker Förderungen in ihren Bundesländern kräftig, setzten etwa durch die Integration Neuer Medien neue Akzente und hängten den stagnierenden "Lucas" schlicht ab.

2016 war es höchste Zeit für eine harte Kurskorrektur. Bestärkt von der damaligen DIF-Chefin Claudia Dillmann, hatte man ein neues Konzept geformt, das auf mehr Partizipation setzte und sich im neuen Namen ebenso wie im Logo manifestierte. Zudem wurden auch die Zielgruppen erweitert: Neben den Kernwettbewerben der Altersgruppen 8+ und 13+ gibt es seither auch Programme für "Minis" (4+) sowie junge Erwachsene (18+). An die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind dabei vor allem eine Klassikerreihe und die ambitionierte Reihe "Young European Cinephiles" gerichtet, bei der je drei Jugendliche aus Deutschland und einem Partnerland ihre Lieblingsfilme vorstellen und mit Gästen diskutieren.

Unter dem Motto "Mitmischen!" konnte 2017 das junge Publikum erstmals viele Möglichkeiten nutzen, beim Programm ein Wörtchen mitzureden. Sei es als Festivalreporter, Filmkritiker, Plakatgestalter, Programmmacher oder Juror. "Wir möchten eine Plattform bieten, damit sich gleichgesinnte junge Cineasten vernetzen können", sagt Fleißig.

Das Ziel des DIF ist dabei zudem, das Festival insgesamt stärker in Sachen Filmbildung und Filmvermittlung zu etablieren. 2016 organisierte das DIF mit der Bundeszentrale für politische Bildung die internationale Tagung „Film, Flucht und Interkultur“. 2017 folgte in Kooperation mit der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur die Tagung „Film bildet“, die eine Bestandsaufnahme von deutschen Projekten zur Filmbildung unternahm.

Nicht zuletzt legt das DIF generell großen Wert auf die Zusammenarbeit mit Heranwachsenden. Eine zentrale Rolle spielte dabei die DIF-Abteilung Filmbildung und Filmvermittlung unter Leitung von Christine Kopf. "Wir haben erfolgreich Pilotprojekte wie den MiniFilmclub im Filmmuseum aufgebaut und uns bei ABCinema engagiert, wo wir im engen Austausch mit europäischen Kinematheken Filmvermittlung betreiben", so Christine Kopf. Nun entwickelt man in einem Modellprojekt mit dem Filmmuseum Potsdam und dem Berliner Arsenal-Institut Möglichkeiten, das Format bundesweit nutzbar zu machen.

Ein wichtiges Filmbildungsprojekt sind auch die Schul-Kino-Wochen-Hessen, die das DIF mit dem Film- und Kinobüro Hessen organisiert. Zur 12. Ausgabe 2018 waren mehr als 64.000 Schüler angemeldet, die Filme in 82 hessischen Kinos sahen.

Fleißig bemüht sich auch, die Filmbranche wieder nach Frankfurt zurückzuholen. Dazu organisierte ihr Team 2017 die Podiumsdiskussion "Nachwuchsfilm und junges Publikum". Hier befassten sich Regisseure, Produzenten, Förderer und Wissenschaftler laut Fleißig mit Fragen wie: "Warum sind kaum junge Filmemacher mit Kinder- und Jugendfilmen beschäftigt? Wie kann man Förderstrukturen ändern, damit das Arbeitsgebiet des Kinder- und Jugendfilms attraktiver wird?" 2018 soll der eingeschlagene Weg somit konsequent fortgesetzt werden.

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