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Mit Filmbildung Integration fördern

Mit Filmbildung Integration fördern

Open Minds – Channel for young Refugees

Von Mathias Fechter

Die Integration hunderttausender Geflüchteter in Deutschland stellt eine gewaltige Herausforderung für die Einwanderungsgesellschaft dar. Die Geflüchteten werden nicht nur vorübergehende Gäste sein, viele von ihnen werden bleiben. Vorrangiges Ziel muss daher eine möglichst früh beginnende Integration der neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger sein. Ihre Integration bedarf mehr als Willkommenskultur und Deutschkurse. Sie setzt auch eine aktive Auseinandersetzung der Einwanderer mit der bundesrepublikanischen Gesellschaft und Kultur voraus.

Vor diesem Hintergrund wurde vom Filmhaus Frankfurt letztes Jahr das Bildungsprojekt „Open Minds – Channel for young Refugees“ für geflüchtete Mädchen und jungen Frauen im Alter von 14 - 25 Jahren durchgeführt. Für diese Zielgruppe besteht ein höherer Bildungsbedarf, gleichzeitig aber auch größere Flexibilität und Offenheit gegenüber dem Neuen der bundesrepublikanischen Gesellschaft. Sie ist zudem sehr medienaffin, der Umgang mit Smartphone und sozialen Netzwerken ist ihr vertraut. Hier bieten sich vielfältige Anknüpfungspunkte und Kanäle, um Bildungsinhalte zu vermitteln. Es war daher naheliegend, speziell für diese Zielgruppe ein Medienbildungsprojekt zu entwickeln.

Da Integration jedoch keine Einbahnstraße sein kann, wurde Wert auf eine interkulturelle Zusammensetzung der Teilnehmerinnen gelegt, so dass neben geflüchteten auch zugewanderte und deutsche oder schon länger in Deutschland lebende Mädchen und junge Frauen teilgenommen haben. Dieser gemischten Zusammensetzung lag die Annahme zugrunde, dass es auch von Seiten dieser Jugendlichen der Auseinandersetzung mit den Besonderheiten, Erfahrungshintergründen und kulturellem Background der jungen Geflüchteten bedarf. Sie sind Experten ihrer Alltagskultur und der deutschen Gesellschaft, die geflüchteten Mädchen wiederum wissen, welche Themen für weibliche Geflüchtete ihres Alters besonders relevant sind. Erst diese reziproke Form der Auseinandersetzung kann zu gegenseitigem Verständnis und damit zu einer gelungenen Integration führen.

Unter dem Motto „meine Welt, deine Welt und unsere Welt“ bot das Programm des Bildungsangebotes einen spannenden interkulturellen Austausch auf Augenhöhe sowie einen Blick hinter die Kulissen der Film- und Medienproduktion. Im Rahmen von drei Gruppen entwickelten die Teilnehmerinnen mit medienpädagogischer Unterstützung Videoprojekte, mit denen die gemeinsam ausgetauschten Erfahrungen filmisch auf den Punkt gebracht wurden.

Die von den Teilnehmerinnen produzierten Videos stellen eine Auseinandersetzung mit Erfahrungen und Eindrücken im Einwanderungsland Deutschland sowie mit Kriegserfahrungen im Herkunftsland dar. Sie wurden in Form von Interviews u.a. mit zugewanderten Menschen auf der Straße, in Form von gespielten Szenen zum Beispiel als „Neue“ in einer Schulklasse oder in Form eines Trickfilms hergestellt. Auf einer Abschlussveranstaltung des Pilotprojektes wurden sie einer größeren Öffentlichkeit präsentiert, an der u.a. die teilnehmenden jungen Frauen wie auch ihre Familien anwesend waren. Die Videos wurden außerdem auf einem eigens eingerichteten YouTube-Channel des Bildungsprojektes veröffentlicht.

Dieser Ansatz des Projektes, die Erfahrungen der weiblichen Geflüchteten und die der deutschen und zugewanderten Teilnehmerinnen in eine mediale Öffentlichkeit zu transferieren, eröffnete gleichzeitig ein weiteres Integrationspotenzial, da so ein größerer Kreis von geflüchteten jungen Frauen angesprochen werden kann. Der damit zu erreichende Schneeballeffekt ermöglicht zudem, dass die Erfahrungen weiblicher Geflüchteter, ihre Chancen in der deutschen Gesellschaft und ihre Auseinandersetzung mit dem Einwanderungsland in eine größere mediale Öffentlichkeit gebracht werden.

Das Filmhaus Frankfurt übernahm als Träger die Gesamtkoordination des Projektes. Die Projektagentur Luna Park 64 hat die Programmentwicklung und Durchführung des Bildungsangebotes im Auftrag des Filmhauses realisiert. Gefördert wurde das Projekt vom hessischen Landesprogramm WIR und dem Frankfurter Frauenreferat.

Es bleibt zu hoffen, dass auch in diesem Jahr ausreichend Förderer und Unterstützer gewonnen werden, um das Projekt fortführen zu können.

Weitere Informationen und die im Rahmen des Bildungsangebotes entstandenen Videos sind im Internet zu finden: www.openminds-channel.de.

* Der Autor ist Geschäftsführer der Agentur Luna Park 64 Medien Projekte Konzepte und war Projektleiter von Open Minds

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