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Voller Bücher – guter Ausblick

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Für den Kinderanimationsfilm ist die Auftragslage beim VFX-Spezialisten Chimney derzeit exzellent / Ein Gespräch mit dem Deutschland-Chef Sebastian Leutner

Von Dieter Brockmeyer

Als führende Adresse für den Dokumentarfilm hat sich Hessen seit jeher hervorgetan. Seit einigen Jahren aber trumpft das Land auch als Motor für den Kinder- und Jugendfilm auf. Nicht zuletzt aufgrund der 2002 eingeführten wirtschaftlichen Filmförderung sind hier einige sehr erfolgreiche Kinderfilme entstanden - vor allem im Bereich des Animations- und Trickfilms, denkt man nur an die wunderbare Sandmännchenverfilmung "Der Sandmann und der verlorene Traumsand" oder an die Kinderbuchadaptionen "Pettersson und Findus", "Der kleine Rabe Socke" oder aktuell "Die Chaosschwestern". Während beim Realfilm für Kinder meist auswertige Produktionsfirmen nur für wenige Drehtage in Hessen Station machen, erfolgt die Herstellung der animierten Filme wirklich am hiesigen Standort. Hier in der Mainmetrople sind tatsächlich einige der große VXF-Spezialisten beheimatet, wie Pixomondo, Magna Mana, Scopas oder der Ableger des schwedischen Dienstleisters Chimney. Warum der hiesige Platz so erfolgreich für den Kinder- und Kinderfilm positioniert ist, darüber gibt der Deutschlandchef von Chimney, Sebastian Leutner, Auskunft.

Grip: Es heißt, Chimney in Frankfurt sei mit Aufträgen überbucht?

Leutner: Das kann man tatsächlich so sagen. Wir haben im Moment mehrere Produktionen parallel laufen. Bereits in der Ausstrahlung ist die internationale Bankenserie “Bad Banks” des ZDF. Aber bei Stoffen wie Pettersson & Findus, “Die Heinzels” und “Der kleine Rabe Socke 3” sind wir mitten in der Herstellung. Das ist absolute Vollauslastung, zumal die nächsten Projekte schon in der Vorbereitungsphase sind, wie etwa “Die Chaosschwestern”. Das heißt, der Standort wächst. Dazu braucht es aber auch das nötige Personal. Da sind wir gerade dran.

Das dürfte in der gegenwärtigen Situation nicht einfach sein?

Wir haben in Deutschland gegenwärtig einen echten Boom in der VFX Industrie, der mit sich bringt, dass alle größeren Studios komplett ausgebucht sind – bis Ende des Jahres und darüber hinaus.

Ist der Bereich Family Entertainment und Kinderfilm hier in Frankfurt für Sie ein Schwerpunkt?

Ja, absolut. Das hat damit zu tun, dass wir hier in Frankfurt angefangen haben, das Animationsteam aufzubauen. Wir haben noch eine Unit in Mannheim, aber aufgrund der Hessenförderung werden die Projekte hier umgesetzt. In der Erwachsenensparte, wenn man das so nennen will, machen wir gerade auch noch "Deutschland 86" im Auftrag der UFA für Amazon.

Bleiben wir beim Kinderfilm. Wie schätzen Sie das Umfeld in Frankfurt und Rhein-Main ein?

Diese Entwicklung ist sehr vielversprechend. Wertvolle Impulse kommen von den Hochschulen in punkto Ausbildung, zum Beispiel am Mediencampus in Darmstadt-Dieburg. Durch etliche Produktionen, in denen Realfim und Animation ineinandergreifen, wie bei "Pettersson und Findus" haben wir im Rhein-Main Gebiet wirklich gute Grundlagen, was das Kinder- und Jungendgenre betrifft. Und natürlich ist Filmförderung auch ein wesentliches Plus für die Infrastruktur hier.

Sie treten ja in erster Linie als Dienstleister auf. Für welche Produzenten arbeiten Sie vorzugsweise?

Wir arbeiten mit einigen Produzenten im Rhein-Main Gebiet zusammen. Die meisten aber sitzen in Berlin, Hamburg oder Köln. Sie schätzen unser Knowhow im Bereich Animation. Deshalb sind wir auch in den letzten fünf Jahren so schnell gewachsen.

Der Ausblick ist also weiter positiv?

Sehr! Aber wenn es noch einige Jahre so weitergeht, werden wir bei der Rekrutierung des Nachwuchses aufs Ausland ausweichen müssen. Hier ist der Talentmarkt bereits heute recht eng.

Bietet sich Chimney immer nur als Dienstleister an oder gibt es auch andere Konstellationen?

Ja, es gibt unterschiedliche Modelle. Teilweise sind wir auch als Koproduzent und Kofinanzier aktiv. Aber es gibt auch Beispiele, da sind wir nur als reiner Auftragnehmer involviert.

Was sind die Erwartungen an den Standort? Was müsste verbessert werden?

Was nach wie vor sehr gut funktioniert, ist die Ausbildung an den Hochschulen. Aber natürlich wäre es wünschenswert, wenn es da noch mehr qualifizierten Nachwuchs gäbe. Die Filmförderung spielt hier in der Region eine sehr aktive Rolle. Natürlich gibt es andere Standorte, unsere Partnerregion in Baden-Württemberg etwa, die noch stärker auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Produzenten eingehen. Dort bietet man zusätzlich noch ganz andere Fördermodelle an, die es ermöglichen noch viel stärker internationale Produktionen in die Region zu holen.

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