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Vom Handkuss bis zur Magnum

Vom Handkuss bis zur Magnum

Der umfassende Beruf des Setrequisiteurs

Von Andrea Wenzek

Die Berufsbezeichnung „Setrequisiteur“ ist relativ neu, vor nicht langer Zeit lautete er noch Innenrequisiteur. „Das sind doch die Möbelrücker!“ sagen Fachleute, die sich auf dem Set nur dürftig auskennen. Weit gefehlt, die Aufgabenbereiche der Setrequisiteure (SR) sind vielschichtig und erfordern eine außergewöhnliche Sorgfalt. Die Regie weiß, mit einem guten und erfahrenen SR steht und fällt der reibungslose Ablauf des Drehs. Und für die aktuelle Menge an Produktionen in Deutschland reicht der Pool an SR inzwischen nicht mehr aus.

Setrequisiteure sind künstlerische und organisatorische Fachkräfte am Set und verantwortlich für die szenische Betreuung der Dekorationen und Requisiten während des Drehs. Auswahl und Beschaffung der Gegenstände obliegt dagegen der Set Decoration und Außenrequisite. Für einen SR gilt, die atmosphärische Idee des Szenenbilds sicherzustellen. Außerdem arbeitet der SR eng mit Regie und Kamera zusammen, verwaltet die Anschlüsse und weist auf Logikbrüche hin.

Diese entstehen unter anderem durch die häufigen Stellproben für die Kamera, daher haftet den SR das Möbelrücker-Image an. Dabei sind es heute meist die Setrequisiteure, die das Set für Licht und Bühne vorbereiten. Das gilt auch für das re-dressing, dem Wiederherrichten des Sets für jede Einstellung. Hinzu kommt die Betreuung der Schauspieler im Bedienen der Spielrequisiten. Ein Gangster wirkt einfach uncool, wenn sein Darsteller nicht richtig mit einem Magnum-Colt umgehen kann.

Von langjährig erfahrenen, hochprofessionellen Setrequisiteuren wird nicht nur das Wissen um die korrekte Anwendung von vielerlei technischen und elektronischen Geräten erwartet. Allgemeinbildung und Detailkenntnisse quer durch viele Bereiche des Lebens sind gefragt, von der Gastronomie bis hin zur Kunst in verschiedenen historischen Epochen. Zum Beispiel birgt ein Drama mit Darstellern in Rokokokostümen eine gewisse Eleganz in sich. Weiß der Graf der Angebeteten nicht zeit- und stilgerecht die Hand zu küssen, geht ihm seine Galanterie perdü. Also auch in Stilkunde sollte ein erfahrener SR bewandert sein.

Eine Ausbildung zum Setrequisiteur gibt es nicht. Er ist ein typischer Quereinsteiger-Beruf. Catia Rémy arbeitet seit elf Jahren im Metier. Sie ist eigentlich gelernte Eventmanagerin und kam zufällig über eine Freundin zur Filmproduktion. „Ich hatte Setluft geschnuppert und wollte da nicht mehr weg.“ Nach dem Praktikum hatte sie sich zwei Jahre als Assistentin der Setrequisite (SR-AS) weiterqualifiziert. Seitdem wird sie regelmäßig für Kino- und TV-Produktionen gebucht. „Ich gehe in dem Beruf richtig auf“ sagt Rémy und ergänzt: „Als Außenrequisiteurin zu arbeiten, ist für mich weniger interessant, - zu viel Büroarbeit. Außerdem werden für Setrequisiteure die tariflich garantierten Überstunden bezahlt.“ Was bedeutet, dass die Mitarbeiter des Stabs im Produktionsbüro zwar höher, aber nur pauschal vergütet werden.

Die Bezahlung der Setrequisiteure sieht Olaf Kronenthal, organisiert im „Verband der Requisiteure & Set Decorator“ (VdR/SD), trotzdem kritisch. Aus seiner Sicht sind die Gagen nicht gerecht verteilt. In der Tat entsprechen die tariflichen Mindestgagen der Setrequisiteure mitunter denen von Assistenten anderer Gewerke. Deren Aufgabenbereiche sind jedoch klar abgegrenzt und wesentlich kleiner.

„Der Einfluss eines Requisiteurs auf den Ablauf des Drehtages kann immens sein. Wenn Produktionsleiter nur die Mindestgage veranschlagen, sollen sie es mit einem Berufsanfänger versuchen“ sagt Kronenthal und ergänzt: „Wenn der zehn Minuten Verzögerung pro Tag verursacht, wird die Produktion am Ende durch die Überstunden des gesamten Teams wesentlich teurer. Besser ist es, einem erfahrenen Requisiteur 200 Euro mehr pro Woche zu zahlen“ meint Olaf Kronenthal, der bereits seit zwanzig Jahren in seinem Beruf arbeitet. Wegen der Schieflage in der Vergütung der SR engagiert sich Kronenthal, der bereits seit zwanzig Jahren in seinem Beruf arbeitet, bei der Organisation „Verbände Pro Tarif“, einer Interessenvertretung, die sich für bessere Arbeitsbedingungen von Filmschaffenden insgesamt einsetzt.

Und die Jobaussichten für die Sparte sind aktuell gut. „Produzenten suchen verstärkt nach guten Setrequisiteuren," bestätigt Sybille Steinfartz von der Künstlervermittlung für Film und Fernsehen der Agentur für Arbeit (ZAV Köln) und spricht derzeit von einem regelrechten Fachkräftemangel in diesem Feld.

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